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kletterhalle
Kletterhalle. Foto 2008

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

skaterhalle
Skaterhalle. Foto 2008

skaterhalle
Außenfront der Skaterhalle. Foto 2008

 

 

 

 

 

 

 

Objektführer / Köln / Maschinenfabrik Humboldt_Lageplan / Köln_top11

Köln_Maschinenfabrik Humboldt"Abenteuerhallen)(Hallen 59-60)
Klöckner-Humboldt-Deutz(Werk Kalk), Christian-Sünner-Straße

Links
http://www.soziale-stadt.nrw.de/stadtteile/profil_koeln.html
http://www.ibn-passivhaus.de/pages/projekte/SON/KHD/frame_son-KHD.htm
www.abenteur-hallen.de
www.nebelpoessel.de
Christine Meyer: Abenteuer in der Fabrik, Kölner Stadt-Anzeiger, 29. 4. 2008
Chaled Nadal: Ein stiller Verfall, Kölnische Rundschau 30. 4. 2008

Texte und Dokumente
Semesterarbeiten an der RWTH Aachen, Lehrgebiet Denkmalpflege 2006

 

hallen59_60
Maschinenfabrik Humboldt. Hallen 59-60. Foto 2008

Anke Sonnenschein
Abenteuer-Hallen Kalk(Halle 59)

Leider liegen keine Informationen über den Architekten und Erbauer der 1914 erbauten Halle 59 vor. Architekten könnten die Kölner Eugen Fabricius oder Hans Erberich gewesen sein.

Zu Anfang wurde die Halle für den Maschinenbau des Betriebes, später als Lager und Wareneingangshalle genutzt. Hierzu war sie teilweise mit Hochregalen ausgestattet. Die Halle 59 setzt sich aus zwei Hallenteilen zusammen. Hierbei handelt es sich um zwei verschiedene Hallentypen. Zum einen gibt es eine hohe Halle mit klarem, rechteckigen Grundriss und flachem Satteldach, die andere Halle ist eine relativ niedrige Halle, mit einer eher horizontalen Ausdehnung und Sheddach.

Der gesamte Komplex der Halle 59 hat eine Schauseite zur Straße hin und eine rückwärtige Fassade zum Innenhof. Zu den Seiten wird er von weiteren Hallen fortgesetzt bzw. begrenzt. Nördlich befindet sich die Halle 60. Diese setzt das Sheddach und die Fassade fort, so dass eine Unterteilung von Außen nicht war zu nehmen ist. Im Süden grenzt die Halle 58 an, die früher als Versandhalle genutzt wurde. Zur Straßenseite öffnet sie sich über große Fensterflächen.

Die hier betrachtete Halle 59 befindet sich in einer stumpfen Ecksituation. Sie hat eine reine Backsteinfassade die zur Straße hin durch rechteckige Stahlsprossenfenster gegliedert wird. Die Fensteranordnung zitiert den Stockwerk- bzw. Geschossbau. Die Fenster und Gesimse im oberen Fassadenabschnitt schaffen eine horizontale Gliederung, der durch eine vertikale Unterteilung durch Lisenen entgegengewirkt wird. Dadurch kommt es zu einer Dreiteilung der Fassade. Die Unterteilung durch Lisenen und ein Gesims setzt sich um die Ecke auf der Fassade des anderen Gebäudeteils in reduzierter Form fort, wobei die Fenstereinteilung auf dieser Seite vertikal ausgerichtet ist. Diese Form der Repräsentation von Industriebauten zur Straßenseite ist durchaus üblich zu Beginn des 20. Jahrhunderts. In diesem Fall wurde noch eine sehr schlichte Form der Gestaltung gewählt.

Zum Hof hin befinden sich in der hohen Halle fünf vertikale Fenster. Die Fassadenmitte wird durch ein breiteres Fenster betont. Die Fassade ist wesentlich schlichter als die Schaufassade auf der Straßenseite, doch auch hier sind Gesims und angedeutete Lisenen zu erkennen. Bei der niedrigen Halle handelte es sich um rein zweckbestimmte Fenster zur Belichtung und einem Tor, sowie einer Tür zur Erschließung und Bestückung der Halle. Auch hier setzt sich ein Mauergesims ab. Diese Ausbildung der Fassaden diente nicht nur der Gestaltung, sondern auch der Konstruktion und Tragfähigkeit.

Die Geschosshöhe der einen Halle beträgt 10,40m und die bebaute Fläche 1129 qm. So wurde eine Nutzfläche von 1039 qm erreicht.

Es handelt sich bei der Halle um einen Massivbau mit Stahlfachwerkbindern, die von Doppelfachwerkstützen getragen werden. Die Stahlverbindungen sind genietet. Auf dem flachen Satteldach befinden sich quer gelagerte, satteldachförmige verglaste Dachrippen, über die die Halle, zusätzlich zu den Fenstern an den Giebelwänden und seitlichen Fensterbändern, belichtet wird. Diese Konstruktion und Beichtungsweise wurde nach der Jahrhundertwende im Hallenbau häufig verwendet.

Die Glasflächen bestehen aus Einfach-Verglasung. Die Wände bestehen aus einschaligem Backsteinmauerwerk. Das Dach ist mit Holzlatten verschalt und mit einfachen Abdichtungsbahnen gedeckt.

An den Längsseiten der Halle sind Stahlträger angebracht, die als Führungsschiene für einen Doppelbrückenkran dienen. Die Träger sind in die gesamte Stahlkonstruktion der Halle integriert. Mit Hilfe solcher Kräne konnten die Maschinen und gelagerten Güter innerhalb einer Halle angehoben und transportiert werden.

Die andere Halle ist mit 5m Höhe relativ niedrig, die horizontale Ausdehnung ist mit einer bebauten Fläche von 1791qm jedoch größer als beim anderen Hallenteil. Diese Halle hat ein Sheddach. Es besteht ebenfalls aus einer Konstruktion aus Stahlfachwerkträgern, die von doppelten Stützen getragen werden. Dieser Hallentyp hat den Vorteil, dass er auf Grund seiner Dachform und Konstruktion beliebig erweiterbar ist. Die Möglichkeit zur Erweiterung stellt im Industriebau einen erheblichen Vorteil dar, denn die Produktion muss häufig an die technische Entwicklung angepasst werden. Die Glasflächen des Sheddachs sind nach Norden hin geneigt. Die geschlossenen Dachflächen sind ebenfalls mit Holzlatten verschalt und teilweise mit Ziegeln und teilweise mit Abdichtungsbahn gedeckt.

In dieser Halle sind zwei stählerne Kranbahnen mit je einem Doppelbrückenkran angebracht.
Als Bodenbelag dient in beiden Hallenteilen ein einfacher Asphalt. Die Wände sind mit einem weißen Anstrich versehen.

Umnutzung der Halle 59
Das Umbauprojekt der KHD-Halle 59 wird als Jugendhilfsprojekt zur Prävention vor Gewalt, Sucht und Rassismus Jugendlicher angesehen.

Die NRW-Gemeinschaftsinitiative "Stadtteile mit besonderem Erneuerungsbedarf' entwickelte ein integriertes Handlungskonzept für Köln-Kalk. Grundstückseigentümer ist die Stadt Köln. Als Bauherren trat die Jugendhilfe Köln e.V. - JHK ein. Betreiber der Abenteuerhalle ist die Jugendzentren Köln GmbH (JUGZ). Das Projekt wurde gefördert durch das Ministerium für Städtebau, Wohnen, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen, die Stadt Köln und "Wir helfen- der Unterstützungsverein von M. DuMont Schauberg e.V.". 1,9 Millionen Euro wurden für den Umbau der Halle 59 zur Verfügung gestellt. In der Halle 59 der KHD- Werke sollte ein Freizeitzentrum auf ca. 2600 m2 geschaffen werden. Die Abenteuerhalle soll Raum zum skaten, klettern und ein Fuß- bzw. Basketballfeld bieten.

Planung und Ausführung zur Umbaumaßnahme
Der Planungsbeginn für dieses konkrete Projekt begann im März 2001. Im April 2004 wurde mit dem Bau begonnen. Die Kalthalle konnte im Dezember 2004 in Betrieb genommen werden, und die Warmhalle ca. ein Jahr später. Die Umbauplanung und Umsetzung übernahm das Architekturbüro Nebel&Pössel aus Köln.

Eine grundlegende Planungsentscheidung war, die Hallen in eine Warmhalle und eine Kalthalle zu unterteilen. Die Warmhalle wurde demnach nach heutigen Wärmeschutzanforderungen umgebaut und ausgestattet, außerdem nimmt sie alle zu beheizenden Räume auf. Die Kalthalle konnte weitestgehend unverändert bleiben, was auch die Baukosten verringerte.

Aus der Umbaumaßnahme ergeben sich folgende Flächenverteilungen: das Erdgeschoss der Haupthalle hat eine Größe von ca. 990 qm, die Nebenräume, Büro und Technik nehmen ca. 660 m2 ein und die Fläche der Kalthalle beträgt 1.750 qm. So entsteht ein Bruttorauminhalt von 28.500 ccm. Die Baukosten betrugen ca. 1.450.000 €, als Baunebenkosten ergab sich die Summe von 360.000 € und die Einrichtung kostete 225.000 €. Die Arbeiten der Demontage, Fassadensanierung, Glaserarbeiten und zum Teil Malerarbeiten, Schlosserarbeiten und Dachdeckerarbeiten wurden in Eigenleistung durch die JHK erbracht, um die Baukosten möglichst gering zu halten.

Kletterhalle
Das Raumkonzept für die Warmhalle bezieht sich stark auf die pädagogischen Inhalte der Abenteuerhalle, wobei das erlebnispädagogische Konzept das Klettern als Zentrales Angebot vorsieht.

Die dritte Dimension der Höhe wollten die Architekten neben dem Klettern auch in ihrer Architektur erfahrbar machen. Dies ist die Erklärung für die ebenfalls vertikale Ausrichtung der funktional notwendigen Einbauten. Die Halle soll für die Besucher auf vielfältige Weise durch unterschiedliche Blickwinkel in den Hallenraum und die Erschließung verschiedener Ebenen zum Teil auf Stegen und Balkonen erlebbar werden. So können die Besucher aus verschiedenen Perspektiven beim Klettern zuschauen, bevor sie sich selber heranwagen.

Ein dreigeschossiger Einbau befindet sich im ersten Joch des Hallenraums. Er nimmt sämtliche Zusatzfunktion zur Halle auf. Im Erdgeschoss befinden sich Eingangs- und Foyerbereich mit Cafeteria, Geräteverleih, Küche, Sanitätsräumen und dazugehörigen Nebenräumen. Die Cafeteria ist parallel zur Kletterwand angeordnet, ist leicht angehoben und relativ offen gehalten. Dieses Deck soll dem Kletterbereich Schutz bieten und die Besucher lenken. Sanitäre Einrichtungen und ein pädagogisches Betreuungsbüro befinden sich im ersten Obergeschoss. Im zweiten Obergeschoss gibt es weitere Büros und einen abgetrennten Clubraum für Versammlungen und Abendveranstaltungen. Außerdem befinden sich im zweiten Obergeschoss Seminarräume, mit Blick auf die Kletterwand.

Die verschiedenen Ebenen sind über mehrere Treppen, die in den Hallenraum hineinragen, verbunden. Eine weite Treppe führt zu der neu hinzugefügten Brücke in der Hallenmitte.
Die gesamte Hallenfläche kann ungehindert benutzt werden. Von der Brücke aus kann auf das Spielfeld geguckt werden. Außerdem besteht die Möglichkeit einen Vorhang von der Brücke abzuhängen, der die Halle dann in zwei Teile unterteilt. So kann die Halle an unterschiedlichste Nutzungen angepasst werden.

Der Kran ist weiterhin vorhanden und in die Nutzung integriert. Auch bei den Umbauarbeiten war er ständig in Benutzung.

Ein dreieckiger Versorgungstrakt zwischen beiden Hallen beinhaltet das Fluchttreppenhaus, den behindertengerechten Aufzug und die Technikräume. Außerdem befinden sich dort die Toiletten für die Kalthalle.

Zur Straßenseite der Haupthalle wird eine neue Eingangssituation geschaffen. Die mittig vorhandene unscheinbare Türöffnung wird vermauert und im rechten Fassadenabschnitt wird das Mauerwerk für zwei neue Türöffnungen aufgebrochen. Um die Eingänge vor der Witterung zu schützen und aus gestalterischen Gründen wird darüber ein Stahlbetonsturz mit Vordach konstruiert. Dadurch wird der Haupteingang klar definiert. Um die Ecke liegt ein weiterer Eingang der ins neu gebaute Treppenhaus führt.

Um sich von dem umliegenden Niveau und Asphaltbelag abzugrenzen gibt es ein Podest mit drei Stufen, das nach rechts zu einer Art Rampe ausläuft. Hierzu werden einfache Betonplatten verwendet, die sich zwar vom Asphalt deutlich unterscheiden, aber auch nicht unangemessen aufwendig erscheinen.

Bei weiteren Änderungen der Wandöffnungen für Fenster oder Türen wird das herausgebrochene Mauerwerk bei gemauert. Die dazu gewählten Steine sind in ihrer Färbung heller als das übrige Mauerwerk, wodurch die Veränderungen deutlich sichtbar sind.

Es wurde dennoch versucht die äußere Erscheinung so wenig wie möglich zu verändern. In die vorhandnen Stahlrahmen der Fenster an der Hofseite wird Isolierverglasung eingesetzt. Außerdem wird unter das mittlere Fenster ein zusätzliches Tor hinzugefügt. Farblich sind alle Fenster und Türen aufeinander abgestimmt. An der Straßenseite wird hinter das vorhandene Fenster jeweils ein zweites neues Fenster angebracht um den Wärmeschutzanforderungen gerecht zu werden.

Um vom Hallenraum der Warmhalle aus die gleiche Untersicht auf die Oberlichter beibehalten zu können und trotzdem den Standard eines beheizten Raumes erfüllen zu können, wird von außen eine zweite Glaskonstruktion aufgebracht. Darin sind elektrisch öffenbare Fenster, um die Möglichkeit einer zusätzlichen Belüftung zu haben. Nur an diesen Fenstern wird die vorhandene Verglasung entfernt. Das äußerliche Erscheinungsbild wird durch diese Maßnahme deutlich verändert. Allerdings sind die Oberlichter von Außen nur bei einer Dachbegehung zu sehen.

Auf das Dach der Warmhalle wird von außen, auf die bestehende Bitumenbahn und Holzschalung, 20 cm nicht brennbare Mineralwolle als Wärmedämmung aufgebracht. Als wasserführende Schicht dienen Kunststoff-Dachbahnen, die von unten mit Vlies kaschiert sind. Wegen der neuen Höhe des Dachpakets muss die Regenrinne nach oben versetzt werden.

Um den heutigen Wärmeschutzanforderungen gerecht werden zu können, müssen ebenfalls die gesamten Wandflächen gedämmt werden. Hierzu wird von Innen auf das bestehende Mauerwerk Mineralwolle zur Dämmung aufgebracht, darüber kommt eine Folie als Dampfsperre. Anschließend werden die gesamten Wandflächen mit Herakustikplatten verkleidet. An den Stahlfachwerkstützen wird die Wärmedämmung zurückgenommen. Sie stößt an diesen Punkten gegen angebrachte Stahlbleche und -winkel. Durch diese Haustechnik: Durch die ausgeführten Maßnahmen zur Wärmedämmung und eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung kann die Halle auf Niedrigenergiestandart gebracht werden. Für die Toilettenspülung wurde eine Regenwassernutzungsanlage mit 12.000 Liter Speichertanks installiert. Dies sind modernste Methoden des nachhaltigen Bauens. Die komplette Halle wird mit Linienbrandmelder ausgestattet, die einen Alarm direkt zur Feuerwehr weiter leiten.

Skaterhalle
Die Schnittstelle der beiden Hallen wird im Obergeschoss für den neuen, eingeschobenen Baukörper, der die Seminarräume, die Fluchttreppe und Haustechnik beinhaltet, geöffnet. Das betrifft zum einen die Wand, als auch die erste Dachfläche der Kalthalle.

Die neuen Baukörper in beiden Hallenteilen sind aus einer Stahlbetonkonstruktion mit Ortbeton gefertigt und teilweise mit Porenbetonsteinen gemauert.

Auf den bestehenden Gussasphalt in beiden Hallenteilen wird eine weitere neue Schicht von 25 mm aufgebracht. Die Holzlatten der Dachkonstruktion wurden weiß gestrichen.

Das Tragwerk in beiden Hallen wird gründlich gereinigt und Korrosion entfernt. Anschließend wird es mit vier Anstrichen versehen, die zum einen als Rostschutz, zum anderen als Brandschutz fungieren.

Der in die Kalthalle hinein ragende Seminarraum wird zusätzlich von vier Stahlbetonstützen getragen.

Zwei Rundstützen an der Wandseite und zwei Stützen mit Rechteckquerschnitt. Die dreieckigen Fachwerkträger der Kalthalle werden in die Betonkonstruktion integriert und brauchen so in ihrer Substanz und Tragfähigkeit nicht verändert werden.

Die Rampen und Halfpipes werden nur eingestellt und um die Stützen wird jeweils aus Schaumstoff ein Anprallschutz angebracht.

Der bereits schon im Bestand abgetrennte Bereich der Halle wird in seiner Form komplett erhalten. Dort werden ein Büroraum, ein Lager und die Werkstatt für den Haustechniker eingerichtet. Die Fenster nach außen hin werden mit Isolierverglasung erneuert, Hallenraum hin können die zum ihrer in ursprünglichen Form als Einfach-Verglasung erhalten bleiben. In diesem Hallenteil werden keine weiteren Veränderungen der Öffnungen vorgenommen. Die ursprünglichen Lampen sind erhalten. Evtl. notwendige Ersatzleuchten wurden aus dem Lagerbestand heraussortiert und nun gelagert.

Die noch aus Betriebszeiten erhaltenen Kräne werden zurzeit von dem Haustechniker in Eigenregie zu "Zuschauertribünen" umgebaut und sollen später noch durch eine feste Treppe ergänzt werden.

Fazit
Bei der Umnutzung der Halle 59 ist bemerkenswert, dass insgesamt sehr behutsam mit dem Bestand umgegangen wurde, obwohl das Gebäude nicht unter Denkmalschutz steht und eine Absprache mit der Denkmalbehörde so nicht notwendig war.

Nach denkmalpflegerischen Aspekten gibt es jedoch sicherlich einige Kritikpunkte. Gerade durch den Einbau im ersten Joch der Haupthalle wird die gesamte Hallengröße beschnitten. Doch dadurch, dass der Betrachter dennoch in die noch sehr tiefe Halle blicken kann und sie in ihrer jetzigen Länge und ursprünglichen Höhe wahrnehmen kann, relativiert sich diese Beeinträchtigung wieder. Weil diese Halle als zu beheizender Raum ausgebildet wurde, ergaben sich Veränderungen in der Gebäudehülle. Die Architekten wählten hierbei eine akzeptable Ausführung. Die Erscheinung des Daches hat sich durch das Aufbringen der Wärmedämmung und die neuen Verglasungen für die Innenansicht und Straßenansicht kaum verändert. Die Innendämmung der Wände wurde sehr behutsam und aufwendig ausgeführt. Die Lösung des Details von Wandaufbau und wie dieser an den Stützen zurück genommen wird ist überzeugend. Schade ist jedoch, dass die Stützen sich nicht farblich von den neuen Winkeln absetzten und die Konstruktion von Alt und Neu an diesen Stellen zu verschmelzen scheint. Auch die Aufrüstung der Fenster mit Isolierverglasung ist sehr gelungen. Weniger gut ist die Schließung des Fensterbandes auf der rechten Hallenseite, hier wäre eine Erhaltung wünschenswert gewesen. Das die Wärmedämmung eines ungedämmten Gebäudes Veränderungen mit sich bringt ist unumgänglich. Hierbei muss ein Kompromiss zwischen Wirtschaftlichkeit, Funktionalität und Erhalt des Gebäudes gefunden werden. Allen Aspekten wird angemessen Rechnung getragen. Die Orientierung an die bestehende Fassadeneinteilung bei den Geschosshöhen ist gut gelöst, ebenso die Einbindung der Dachschrägen und des Oberlichtes in den oberen Räumen des Einbaus.

Die Einbauten sind durch ihre Form und Materialwahl deutlich als solche zu erkennen und wirken mehr als Einrichtungselement, denn als ein Gebäudeteil.

Besonders positiv ist die Erhaltung und Integrierung der Doppelbrückenkräne. Sie machen die ursprüngliche Nutzung sichtbar.

Die niedrigere Halle mit Sheddach ist bis auf den Einbau in der östlichen Ecke weitestgehend unverändert. Dies bestärkt auch das Entwurfskonzept, die Halle in eine Warm- und eine Kalthalle zu unterteilen. Selbst auf Details, wie zum Beispiel die ursprüngliche Beleuchtung zu erhalten, wurde geachtet. Diese kleinen Details tragen viel zur Gesamterscheinung des Raumes bei.

Das Verhältnis der beiden Hallen zu einander wird durch den eingeschobenen Dreiecksbau mit Treppenhaus usw. stark verändert und ist leider in seiner Ursprungsform nicht mehr nachvollziehbar. Rein auf die Nutzung bezogen ist diese Veränderung jedoch für die Funktionalität verständlicherweise notwendig.

Die Kombination von Alt und Neu und die Perspektiven in die Halle, die sich durch die neuen Einbauten den Betrachtern bieten, empfinde ich als Bereicherung für die Halle. Durch die Umbaumaßnahme konnte ihr eine soziale Nutzung zugeführt werden, die den ursprünglichen Industriestandort nicht aus dem heutigen Leben der Menschen ausklammert, sondern immer noch präsent hält.

Literatur
Goldbeck Gustav; Kraft für die Welt. 1864-1964 Klöckner-Humboldt-Deutz AG, Düsseldorf- Wien 1964

Kier, Hiltrud/ Hagspiel, Wolfram; Krings, Ulrich: Landeskonservator Rheinland, Denkmalverzeichnis 12.6 Köln, Stadtbezirk 7/8 (Porz und Kalk), Köln; 1980

Meynen, Kierdorf: Kölner Wirtschaftsarchitektur von der Gründerzeit bis zum Wiederaufbau; Wienand Verlag Köln; 1996

Meynen,Henriette; Stadtspuren, Denkmäler Köln; Band 7 Kalk und Humboldt- Gremberg, Köln 1990

Pohl, Stefan/Mölich, Georg: Das rechtsrheinische Köln-Seine Geschichte von der Antike bis in die Gegenwart, Köln; 1994

Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz; Glanz und Elend der Denkmalpflege und Stadtplanung Coeln 1906-2006, Köln 1981

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